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„Devilish DoubleDylans“ mischen Bob-Dylan-Songs mit jeder Menge Lokalkolorit

Coole Jungs da auf der Bühne beim letzten Open-Air-Kino im Burgpark. Beim Kultursommer gastierte am Freitag die Frankfurter Band „Devilish DoubleDylans“. Natürlich war dieser Name Programm, denn die drei Musiker widmen sich der Pflege von Bob-Dylan-Songs, die sie meist ins Deutsche mit viel Frankfurter Lokal-Kolorit und sprachlicher Gewitztheit übertragen. Neckische Hüte, dunkle Brillen und schwarze Anzüge - auch modisch suchen sie eine Näherung ans große Vorbild.

Pendel zwischen Lebensgier und Absturz

„Oben auf dem Berg, da zählt nur Schicksal und Glück und beides bricht dir das Genick“, heißt es in einem der Eröffnungssongs. Zwischen Lebensgier und Absturz schlägt das Pendel immer wieder hin und her, wenn das Trio mit Reibeisen-Stimmen den Blues in die Nacht trägt. „Ich meditier‘ mich wund und such‘, was dann noch übrig bleibt“, heißt es im „Dirt Road Blues“, während die Gitarren melancholisches Riffs beisteuern und der Kontrabass sich in Moll-Akkorden abarbeitet.

Robert Noetzel, Mathias Schmidt (Gitarren und Gesang) sowie Ulrich van Klapdor, Kontrabass und Stimme, sind versierte Musiker, die den Blues musikalisch und textlich im Blut zu haben scheinen. Ihrer dunklen Musik-Kulisse liegen Texte zugrunde, die zwischen konkreter Poesie und Dada schwanken - Fabulierlust und keine Scheu vor dem höheren Blödsinn gehen Hand in Hand. „Ich bin sauer - ich trink ein Gurkenfass“ funktioniert da mit schwarzgalligem Humor interpretiert ebenso wie der sozialkritische Impetus bei der giftgeätzten Tour-de-France Verhohnepipelung: „Das Schönste am Sport sind doch die Drogen…“.

Im „Senkel-Blues“ arbeiten sie sich augenzwinkernd an Frankfurts Berühmtheiten von Goethe bis Lia Wöhr ab. Schließlich bekennen sich die teuflischen Dylan-Doubletten dazu, dass sie früher ,,devilish“ waren, aber heute im Namen des Herrn unterwegs seien.

Das passt zur Biografie von Dylan, der sich dem Christentum zugewandt hat, und war an diesem Abend die ideale Überleitung zum Kinofilm „Four Lions“. Der handelt von vier islamischen Freunden aus Sheffield, die in den Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen ziehen wollen und sich dabei ziemlich tollpatschig anstellen. Satire mit potenziellen Selbstmordattentätern trifft natürlich nicht jedermanns Geschmack. Humor ist aber, wenn man trotzdem lacht.

Für die Freiluftveranstaltungen im Kultursommer 2011 schloss sich damit am Freitag der Vorhang.

Ulrich von Mengden

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