Leserbrief im FOLKER

"Ich bin nicht einverstanden mit der "Kurzschluss"handlung, was die Hoppla-hopp-Kritik der DoubleDylans-CD "Bluesbrüder" (S. 80) betrifft: Man(n) kann - kurzsichtig, oberflächlich gesehen - zwar durchaus der Meinung sein, die neueren Adaptationen der Frankfurter Dylan+Blues-Brüder Matze S. und Robert N. (plus Kollegen) seien nicht gerade adäquat, was die Bedeutung der Wörter angeht - skurrile Verse auf Deutsch, getränkt im Main-Metropolen-Milieu grad um die Eck -, aber so diffus, wie die Lyrics von Bob Dylan selbst oft sind, soll es doch erlaubt sein, ihnen mal auf gut-Deutsch eine ganz eigene Dimension abzugewinnen. Denn das ist die besondere, neue Qualität dieser "Übertragungen" in den Klang deutscher Wortballungen, dass sie nicht dem Wortlaut, aber doch dem Geist der Originale irgendwie folgen: Aus dem "Pfeil am Türpfosten" (arrow on the door post), der soviel sagt wie "Dieses Land ist verdammt" (saying This land is condemned... from New Orleans to Jerusalem ) wird dann eben: "Ich seh den Error und den Bankrott... von Frankfurt an der Oder bis Frankfurt am Main." Wieso nicht? Ist doch so!

Okay - die Songs klingen wie von Bob Dylan, lauten aber wie Deutsch-Rock-Changsongs aus'm "Lola Montez", Breite Gasse 24. Ja - schön! (Quite obviously) Nobody can sing the blues like Blind Willie McTell. Aber: "Ich trinke ein Glas Apfelwein mit dem blinden Wilhelm Tell!" Das ist genial. Das ist eben mal nicht der Versuch, den bedeutungsschwangeren Super-Song von Dylan adäquat zu übersetzen, sondern einem "Zustand", einem Lebensgefühl nachzuhängen, das durchaus damit verwandt ist. (Wie auch die anderen Nummern dieser CD.)

Eine magische Musik, gut produziert, mit Sogwirkung, die einfach mal für sich steht. Deutschsprachige Sonx von hier und heute, die textlich nicht gegen Bob Dylan, sondern an seiner Intuition, Dinge zu erfassen, orientiert sind. Absolut (zu-)hörenswert!"

WL Woltähr (Trier)

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