Good Times

Ganz entspannte Geniestreiche in Sachen Dylan

Die „DoubleDylans“ formerly known als „The Devilish Doubledylans“ haben nun – nachdem sie seit 1999 Dylan schon beachtlich auf englisch gecovert haben – erstmals eine CD mit deutschen Übersetzungen von Bob Dylan-Klassikern vorgelegt.

Und siehe da: Sie ist wundervoll. Ohne Ehrfurcht wird da frisch ans Werk gegangen. Da paaren sich nicht verkrampfte Reime und schiefe Bilder mit musikalischen Deutsch-Rock-Klischees wie das beispielsweise bei Wolfgang Niedeckens Leopardefell-Projekt leider oft der Fall ist. Mit ihrer neuen CD „Ich und ein Anderer“ ist es der Frankfurter Band gelungen, ihre liebevoll-respektlose und unverkrampfte Herangehensweise an das Dylan’sche Oeuvre nun nach Arrangements und Bühnentätigkeit auch auf die Songtexte zu übertragen. Dabei verlagern sie die Dylan-Welt oftmals ans heimische Mainufer, stellen die Songs vor unseren Zeithintergrund und garnieren sie mit eigener Alltagswelt und Seelenlage. Das Ergebnis ist kongenial.

Denn spielerisch leicht und ganz entspannt klingt es, wenn die DoubleDylans „A Hard rain’s gonna fall“ zu „Scheiß Regen“, „Things have changed“ zu „Jetzt ist’s egal“ oder „Tangled up in blue“ zu „Trübsal immerzu“ machen. Und auch wenn Sie sich ganz weit vom Original weg wagen – I shall be released mutiert zu „Exmatrikuliert“ – klingt das nie peinlich oder bemüht. Die Frankfurter Musiker um Uli van Klapdor, Robert Noetzelsen und Jelly Pearl Smith können einfach Songs schreiben. Und so findet das Dylansche Universum von Greenwich Village, Hollywood und Malibu seine Entsprechung in Gallus, Mainufer und Marrakesch. Neben den schon genannten Highlights des Albums gehören noch Apfelbabybaum, DDD’s Dream und Wickel Wackel zu den Anspieltipps. Und mit „Das schönste am Sport sind die Drogen“ beweisen sie, dass sie auch jenseits des Dylan’schen Oeuvres sich gute Stücke ausdenken können. Die Platte ist ein Muss für jeden Dylan-Freund und hilft uns allen, die Zeit des Wartens auf den nächsten Tonträger und das nächste Konzert des Meisters zu vertreiben.

Thomas Waldherr

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