Frankfurter Rundschau

Meister-Feier

Steile Treppe nach oben, in einem Hinterhof in der Kaiserstraße. Erster Eindruck: Etliche Männer mit Hüten, schon mal sehr sympathisch. Auch der Meister selbst, der auf der Projektionswand unter dem Schriftzug „I’m in Cowboy Land“ zu sehen ist, trägt natürlich einen seiner geliebten weißen Stetsons. Nein er lächelt nicht, den ganzen Abend nicht.

Aber Frankfurt feiert dennoch im Club „Orange Peel“ den 70. Geburtstag von Bob Dylan, Motto: „Vom Highway 61 zur A661“. Und viele bekennende Dylanologen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet sind auf Einladung des Kulturamts und des US-Generalkonsulats gekommen - selbst Karlheinz Voss, der Chef des städtischen Protokolls. Und die Stellvertreter des Meisters sind, weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus „DoubleDylans“, liebevoll eingeführt von Schriftsteller Andreas Maier, der dem Publikum rät: „Halt dich fest an den DoubleDylans!“ Und die Gitarristen Matthias Schmidt, Robert Noetzel sowie Ulrich Klapdor (Bass), wie immer als Men in Black, trösten denn auch, indem sie Dylans Musik und Texte mit ganz neuen Bedeutungen aufladen. „ Ich seh’ den Zahltag kommen, ich werde abkassiert, ich zähl die Tage, zähl’ die Stunden, bis man mich exmatrikuliert“. Das ist, natürlich, „ I shall be released“ in neuem Gewande... Das ist also pures Glück. Obwohl „Glück ist nicht auf der Liste meiner Prioritäten“, hat der Meister mal in einem seiner gewohnt bärbeißigen Interviews gesagt. Und es erweist sich in „Orange Peel“ mal wieder, dass Live-Musik allemal dem Reden über Musik überlegen ist.

Thomas Waldherr bekommt noch viel Beifall für seinen Multimediavortrag, indem er die Wurzeln Dylans freilegt. Aber der Journalist Klaus Walter, der Dylans Einfluß auf die deutsche Pop-Musik verfolgt, verliert sich ein wenig im Gewirr seiner Lieblinge: Er redet von Sängerin Christiane Rösinger, dem Österreicher Klaus Spechtl. Oder von Ted Gaier von den „Goldenen Zitronen“, der einmal bewundernd gesagt hat: „Bob Dylan fischt Wörter aus dem Fluß der Scheiße.“ Da ruft dann einer das Kot-Wort noch mal laut dazwischen, der Abend droht ein wenig zu entgleisen und Walter verkürzt die Rede schließlich zugunsten der „DoubleDylans“. Wie sagte der Meister doch: „das Glück liegt nicht auf der Straße - das Glück ist die Straße.“

Von Claus-Jürgen Göpfert

Zurück