Frankfurter Neue Presse

"Doubledylans": Scharf wie ein Rettich

Bob Dylan hat schon viel über sich ergehen lassen (müssen). Ungezählte Cover-Versionen und bemühte Übersetzungen gibt es von seinen Songs, und über viele von ihnen ist kräftig gelästert worden, weil angeblich nur Sir Bob selbst seine Werke genial zelebrieren kann.

In Frankfurt hat sich ein Trio zusammengefunden, dem das alles ziemlich egal ist. Die Doubledylansüben sich respektlos und doch zärtlich am Sangesgut des Picassos der Rockmusik, wie Leonard Cohen Dylan einmal nannte. Mit ihrer ersten Platte Ich und ein anderer bewiesen sie, dass sich Dylan auf Hessisch, ohne in Flachsinn abzugleiten, behaupten kann. Sie hatten dabei nicht sklavisch versucht, aus dem Englischen zu übersetzen, sondern sich den Tenor gegriffen und dann Atmosphäre und Inhalte der Texte in völlig neues Gewand gekleidet. Das war mitreißend und stellenweise richtig genial, voller Wortwitz und Anspielungen.

In ihrer zweiten CD sind sie nun sogar so frech und unbändig witzig, dass sie zwölf bekannte Stücke des Meisters allesamt durch eine Rettich-Mangel jagen. Kurzum: Jeder Song von Maggie’s Farm (mutiert zu Ich arbeite für den Rettich-Retter nicht mehr) bis I And I (Ich Rettich) erhält einen Bezug zu dieser scharfen Rübenart, und der Spaß, den sie bei dieser Ulkerei haben, überträgt sich nahtlos auf den Hörer, zumal sie musikalisch große Klasse sind. Der Verfremdungseffekt wirkt verblüffend, erheiternd und macht Laune. Und vor allem, der Running Gag funktioniert die ganze Scheibe über, wirkt nicht ermüdend oder lähmend. Im Gegenteil, so dass nicht nur Dylan-Fans ihren Spaß an der CD haben werden.

Hadayatullah Hübsch

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